
Gestern sind - wie James T. Kirk sagen würde - meine Triebwerke ausgefallen und ich habe die elementare Erkenntnis gewonnen, dass das Böse in unserer Galaxie die Esoterikfreaks sind samt ihren Ayurvedatees, ihren Bachblütenessenzen und ihren Nobel-Yoga-Matten. Der Ex hat einmal mit einer Freundin Schluß gemacht, weil sie ihm sagte, dass sie die Tiere lieber habe als die Menschen. Jetzt kann ich ihn verstehen, weil ich plötzlich das sadistische, radikal-dogmatische Potential all der Tierfreunde und Shiatsupraktiker sehe. Montags ist immer mein Yogakurs, ein gut gemeintes Geschenk meines Freundes zum 30er. Gute Sache, dachte ich mir, Yoga. Entspannung, Selbstfindung, Meditation. Die liebste Freundin hat mir noch zusätzlich den Mund wässrig gemacht mit ihren Erfahrungen. Sie habe sich selten so entspannt gefühlt und es sei wirklich wunderbar. Sagte sie, die Superlative nicht gerade verschwenderisch verwendet. Also nichts wie hin, hab ich mir gedacht. Den Tip für das Studio hatte ich von meiner Ex-Therapeutin, einer lebhaften Mittvierzigerin, ein bissl ausgezerrt, aber lebensfroh, die gerne zuhört und sich ebenso gern selbst reden hört, deshalb auch "Ex-"...Ich hab irgendwann nicht mehr eingesehen, warum ich meinen kargen Lohn dazu verwenden soll, um mir ihre Eheprobleme anzuhören und mich in der Position wiedergefunden, sie permanent zu bestärken, obwohl - sollte das nicht eigentlich umgekehrt...???
Vielleicht sollte man doch darauf achten, wer einem was empfiehlt, schoß mir gestern durch den Kopf. Weil die Empfehlung doch immer sehr viel über den Empfehlenden aussagt. Und meine Ex-Therapeutin wirkt mit ihren sehnigen Ärmchen nicht gerade so, als würde sie ein zweites Stück Kuchen bestellen, oder überhaupt ein Stück oder so, als wüsste sie, was Kuchen ist.
Naja. Jedenfalls war ich gestern nicht in meinem Standard-Kurs, sondern in "Basis 1", weil ich in meiner Naivität dachte, Basis bedeutet Anfänger. Kaum den Raum betreten, sollte ich eines besseren belehrt werden. Yogalehrer scheint ein Beruf zu sein, der die unterschiedlichsten Persönlichkeitsstörungen anzieht. Mein gestriger, nennen wir ihn euphemistisch "Lehrer", hat ihn sich ausgesucht, weil es wahrscheinlich zur nächsten Neonazis-Rekrutierungsstelle zu weit war an diesem Morgen.
Schon zu Beginn machte er klar, dass er die sexuellen postraumatischen Belastungsstörungen, die ihm zu schaffen machen, gerne mit uns teilen würde, indem er sie sozusagen an uns weitergibt.
Er hat seine Hose und sein Shirt ausgezogen und war praktisch nackt, nur eine enge abgeschnittene lange Unterhose bekleidete seinen, ich nenne es mal in Ermangelung von wissenschaftlich fundierten Gegenbeweisen "Körper". Das, was er uns da präsentierte, erinnert mich viel mehr an einen Cyborg, den man mit beiger Hautfarbe bemalt hatte.
Unter seiner "Hose" trug er mit Sicherheits nichts. Da baumelte doch einiges in den nächsten 90 Minuten.
Er machte gleich zu Beginn klar, dass die Würde des Menschen antastbar ist, vor allem beim Yoga, indem er uns nach der Reihe abschätzig musterte und Bemerkungen wie "Ein bissl auf die Ernährung schauen würd Dir gut tun" oder "Du bist nicht sehr leicht, da wirst ein paar Übungen aussetzen müssen" von sich gab. Dem einzigen Mann unter uns, einen IT-Spezialisten, der seinen rechten Arm ausgerenkt hatte, machte er gleich mal klar, wer hier das sagen hat, indem er ihn in die zweite Reihe verbannte. Im Folgenden kamen bösartigerweise doch einige Übungen, die den rechten Arm belasten und immer wenn es soweit war, hatte er ein spöttisches Grinsen für den armen Kerl übrig. Schon die ersten Minuten erinnerten eher an Aerobic Stunden mit einem irren Guru als Vorturner. Arme hoch, runter, atmen, atmen, atmen. Offensichtlich hatte er eine Vorliebe für das Wiederholen von Befehlen. So wie US Offiziere im Irak "schießen, schießen, schießen" brüllen, schrie er mit immer lauter werdender Stimme: "höher, höher, höher!". Als die junge Frau hinter mir bei einer Grätsche ihre Beine nicht mehr durchstrecken konnte, stellte er sich hinter sie, rieß an ihren Beinen und brüllte wie ein Wahnsinniger: "stretchen, stretchen, stretchen!". Nach wenigen Minuten hatte sich der Übungssaal im 9ten Bezirk in die strenge Kammer eines SM Cafes verwandelt. Unser "Lehrer" hielt nicht viel von Frauenrechten oder, haha, Feminismus. Frauen sind den Männern nämlich beim Yoga unterlegen, weil sie ihre linke Seite nicht im Griff haben. Also die ganze linke Körperseite, liebe Kolleginnen, ist praktisch funktionslos bei uns. Männer sind rechts eher schwach, aber, beeilte er sich hinzuzufügen, die bräuchte man bei den Übungen ohnehin nicht. Er hielt auch nichts von neumodischen Dingen wie Deodorants, konnten wir bald feststellen, denn sein Schweißgeruch breitete sich wie ein sanfter Frühlingsregen über uns allen aus. Nur noch getoppt von seinen Gasen, die er regelmässig und recht laut von sich gab. Bald umgab uns ein Nebel aus Schweiß und Fürzen, während wir grätschten, bis uns die Sehnen rissen, während er sich hinter die weniger Glücklichen stellte, an ihren Hinterteilen und Hüften zu zerren begann und uns gute Tips gab wie "ein bisschen weniger Stöckelschuhe tragen, meine Damen, Eitelkeit kostet". Schließlich war der Moment erreicht, in dem wir reif genug für seine philosophische Sicht des Yogas waren. Hechelnd und keuchend lagen wir auf unseren Matten, während er dozierend über uns stieg und ich wartete nur auf den Moment, in dem er sich direkt auf einen von uns stellen würde und ihn unter seinen Hufen zertreten wie ein unwürdiges Insekt. Beim Yoga gehe es ums Weich werden, ums dehnen, der Körper müsse aufgeweicht werden, damit der Geist folgen könne. Wenn wir es nicht im richtigen Rhythmus praktizieren würden, hätte es keinen Sinn. KEINEN SINN! Auf die schüchterne Nachfrage einer Teilnehmerin, ob es denn gar nichts nutzen würde, so fürs Wohlbefinden, wenn man die Übungen im eigenen Tempo macht, schrie er endgültig wahnsinnig los: "Keinen Sinn! Es hat keinen Sinn!" Dabei blitzten seine Augen, seine Zunge hing ihm aus Mund und ich dachte nur panisch: Beim nächsten Anfall gehen wir alle drauf!
Als die Stunde zu Ende war, wollte ich am liebsten vor Ekel und Erschöpfung erbrechen und ich bin mir nicht sicher, ob eine der Kolleginnen es nicht unten vor der Tür getan hat. Ich bin auf die Strasse gewankt, konnte mich kaum aufrecht halten und hatte das Gefühl, ähnlich wie Captain Kirk, dem Bösen ins Gesicht geblickt zu haben. Doch ich tröstete mich schnell durch einen Blick auf eine TV Programmzeitschrift. Solang es noch Menschen wie Barbara Wussow und Albert Fortell gibt, hat der Teufel keine Chance auf Erden. Auch nicht, wenn er sich in einem Yogastudio verschanzt.

1 Kommentare:
schon komisch dass diejenigen, die eigentlich am "entspanntesten" sein sollen, dann immer die größten kotzbrocken sind.
vielleicht ein energiestau im kopfchakra ???
ich erinnere da nur an ein paar eingetragene buddhisten ;)
oder an die beinharten neoliberalisten namens "arena-punks"
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