
Viel ist in der letzten Woche passiert und man weiß gar nicht mehr, wohin man zuerst erbrechen möchte.
In den USA wird mit viel Pech eine irre Hockey-Mum mit dem Cosmopoliten-faktor eines iranischen Mullahs die neue Präsidentin (mal ehrlich, diese Gesichtsfarbe und der alte Gummihandschuh, der Augen und Mund mühsam zusammenhält...McCain ist ein Cyborg, der irgendwann in seine Bestandteile zerfallen wird und dann hamma des Gscher.)
Die Finanzkrise hat Island vernichtet und alle Welt fragt sich, wo Björk eigentlich steckt, wenn man sie mal braucht?! Kann sie die Insel nicht mit ihrem Taschengeld einfach aufkaufen? Von wegen all is full of love...
In Österreich findet die Noch-Innenministerin nix dabei, wenn einer vom Burschenschafter-Pöbel 3. Nationalratspräsident einer Nation wird, die er eigentlich ablehnt. Besonders genial ihre heutige Aussage während der Debatte, dass ja nicht Graf derjenige sei, der Holocaustleugner einladen und abfeiern würde, nein, es sei lediglich der Verein und er sei eben Mitglied. Pah, dieser widerliche Verein! Ich sehe Graf direkt vor mir wie er während Irvings Vortrag seine Ohren zuhält und verzweifelt laut ein Lied singt, um ihm nicht zuhören zu müssen. Wenn man Fekters Theorie auf andere "Vereine" umlegen würde, bräuchten wir auch kein Verbotsgesetz mehr, gegen das der Martin Graf ja immer schon gewettert hat. Nicht die Nazis waren die bösen, nein, dieser schreckliche Verein, dem sie angehörten, puh, der war das wahre Schwein.
Ja, es geht rückwärts in diesem Land, mit Turbo Boost, wie Michael Knight sagen würde. Nur ohne seine coole Ray-Ban und Lederjacke. Höchstens das Hasselhoffsche Alkoholproblem haben wir mit ihm gemein.
Wie gesagt, viel passiert und am besten sind solche Veränderungen ja immer greifbar, wenn sie das eigene Leben betreffen. Zu diesem Zwecke hat der Allwissende uns wahrscheinlich Nachbarn beschert. Sie geben dem Gesicht und Namen, was man bisher nur aus Geschichtsbüchern oder aufgeregten Standard-Foren kennt. Unsere Nachbarn sind da ein besonders schönes, weil so besonders widerliches Beispiel für den neuen alten Wind, der durch unser Land weht. Die Hausverwaltung schickt uns letzte Woche einen Brief, in dem sie uns mitteilt, dass sich einige Mieter über uns beschwert hätten, weil wir durch "ständige" Lärmbelästigungen auffallen würde, "ständige" Bauarbeiten vornehmen (angeblich würden wir Wände rausreißen, hätten die Nachbarn beobachtet) und das würde wiederum "ständige" Lärmbelästigung verursachen. Auf unseren Anruf hin, wollte sich die "Dame" der Hausverwaltung weder darüber äußern, wer sich denn über uns beschwert hätte noch warum. Auf jede Frage war ihre Standard-Antwort: Kein Kommentar, schreiben Sie eine Stellungnahme.
Das schöne an der Sache ist, wir hatten bis zu diesem Brief keine Ahnung davon, dass unsere bloße Existenz bei anderen einen nicht unerheblichen Leidensdruck auslöst. Niemand hat uns jemals angesprochen, angeläutet, angerufen. Wir wussten nichts von unserem Rowdy-Dasein. Nachdem die Verwaltung die Beschwerdeführer anonym halten wollte, packte uns die Wut und wir machten uns im Haus auf die Suche nach dem- oder derjenigen. Unser Hausmeisterin, die verlässlich über das Tagesoutfit jedes Mieters Bescheid weiß, konnte uns auch hier weiterhelfen. Es handle sich um eine Dame der Nachbarstiege, deren Zimmer an unsere Wohnung grenzen und die sich schon seit Monaten permanent bei jedem, der es wissen will, über uns beschwert. Besagte Nachbarin haben wir in unserem Leben und der meine in 17 Jahren in diesem Haus noch nie gesehen. Als er sie mit ihren Vorwürfen konfrontierte, kamen erstaunliche Dinge zu Tage. Das Schlafzimmer ihrer 120m2 Wohnung befindet sich direkt neben der Küche und sie hört alles: unseren Geschirrspüler, unsere Gespräche in der Küche, wenn wir Geschirr in die Küche oder hinaus tragen, wenn wir kochen. Alles. Und sie kann.so.nicht.mehr.leben. Sie ist alleinstehend, ihr Mann hat sie verlassen und sie hat ja keine Chance gegen uns, deshalb hat sie uns nie angesprochen. Sie hatte einfach sooolche Angst. Außerdem wollte sie nicht mehr abends in ihren Mantel schlüpfen und die 5 Meter von einer Tür zur anderen gehen, weil es so kalt und finster draußen wäre. Sie hätte ein schlimmes Leben, immer um 5 Uhr aufstehen und müsste früh zu Bett und sie würde uns wirklich bitten, auch wenn sie rechtlich keine Chance hätte, weil danach hat sie sich schon bei allen Stellen erkundigt, ab 22.30 Uhr unsere Küche zu meiden. Der meine kam schwindlig wieder zurück nach Hause, weil ihm wahrscheinlich so viel Feigheit gepaart mit so viel Unverschämtheit noch nie untergekommen ist. Und wenn man seine Ex-FreundINNEN kennt, ist das eine wirkliche, wirkliche Leistung!!!
Die anderen Mieter konnten wir nicht ausmachen. Wir haben einen Brief ins Stiegenhaus gehängt, auf dem wir darum gebeten haben, der- oder diejenige sollten sich doch bei uns melden. Aber - welch Überraschung - niemand kam. Dann ist mit uns die Wut durchgegangen. Die Telefone bei Schlichtungsstelle und Mietervereinigung glühten und ausgestattet mit allgemeiner Empörung über den Sachverhalt und den Tonfall der Hausverwaltung schreiben wir nun einen wütenden Brief zurück, ein leidenschaftliches Manifest gegen die Denunziation! Weil was soll das alles bitte??!! Die Verwaltung äußert Mutmaßungen, jeder zweite Satz enthält eine Drohung, dass wir sonst raus müssen wegen ein paar Nachbarn, die es nicht mal wagen, uns ihr Leid ins Gesicht zu sagen, sondern Tag und Nacht lauschen, und beobachten, um sich dann zu beschweren, aber nicht mal die Eier dabei haben, ihren Namen anzugeben. Überflüssig zu sagen, dass wir weit und breit die Jüngsten im Haus sind. So nicht, liebe Denunzianten, so nicht! Der fesche H.C. mag samt seiner Bande und einem seit seinem Tod mehr denn je verhaiderten Land suggerieren, dass es total okay ist, jemanden anzuzeigen, weil man ihn einfach los werden will. Dass wir wieder dort angelangt sind, wo das noch belohnt wird. Aber nicht mit uns! Irgendwann, bald hoffentlich, geht ihr alle den Weg allen Fleischlichen und bis dahin...wird wie wir jetzt an unsere Tür schreiben wollen, wird bis 22 Uhr zurückgeschossen.






